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Ummelde Service
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| Es scheint,
als ob alle Anwesenden von einer gemeinschaftlich, tiefen Trübseligkeiten
befallen wären. Man blickt in zahllose, ausdruckslose Gesichter.
Die Gesellschaft ist bunt gemischt: Studenten, Motorradfans, Hausfrauen,
Handwerker, Finanzbeamte, Kranführer und Kfz-Mechaniker. Jeder
schweigt und wendet seinen Blick allenfalls von den Konturen des grauen
Linoleumboden ab, um sich ernüchtert der selten ratternden Nummeranzeige
zuzuwenden. Zwei Glückspilze kennen sich aus frühen Schultagen.
Auf orangefarbenen Plastikschalen in einer der hinteren Reihen sitzend stecken
sie ihre Köpfe dicht |
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aneinander und tauschen Neuigkeiten der Gegenwart aus: Flüsternd bemüht, die Anspannung der übrigen
Anwesenden nicht zu irritieren. Jedes der restlichen Opfer scheint
nur von einem einzigen Gedanken beseelt: „Bloß weg hier!“
Wir befinden uns in einer Kfz-Zulassungsstelle, wohlgemerkt. |
Reges
Treiben
Den zügigsten Schritt legen die an den Tag, die frühzeitig
von der Unvollständigkeit der mitgebrachten Unterlagen Kenntnis
erlangten. Kenner wissen: Privilegierte, deren Fahrzeuge soeben theoretisch
zugelassen wurden, verlassen die heiligen Hallen schreitend. In den
zahlreichen Fluren und Räumen, herrscht ein verhaltenes, betriebsames
Treiben. Die zahllosen Türen werden vornehmlich von denjenigen
geöffnet und ebenso geräuschvoll verschlossen, die diesen
Ort tagtäglich betreten, um ihrer beruflichen Bestimmung nachzugeben:
Von Kfz-Zulassungsangestellten – schwer auszumachende Halbgötter,
überwiegend in Zivilkleidung getarnt. |
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Zeit ist Geld
Verstohlen richtet sich mein Blick auf die
fliegenbehaften Kennzeichenziffern des telefonierenden Sitznachbarn.
Offensichtlich ist er im Landkreis und nicht in der Innenstadt sesshaft.
„Ja, ich weiß, aber es geht nicht schneller“, raunt
er seinem Gesprächspartner beschwichtigend zu. „Ich versuche
gegen zwei im Büro zu sein“, so seine unseriöse Beteuerung. Meine Armbanduhr zeigt unterdessen
erst halb 10 Uhr. "Maximal 16 Nummern bearbeiten die in einer
halben Stunde", murmelt |
| der untersetze Nachbar zur Linken. Die
gelben Ziffern auf schwarzem Grund der Anzeigetafel zaubern nun ein
kontrastreiches „129“ an die Wand. |
Mit
mir nicht
„Das können sie mit MIR nicht machen!“, ertönt
aus einem der ehrwürdig, angrenzenden Nachbarräume. Jeder
der Anwesenden fürchtet einen solchen Stimmungsausbruch. Vereinzelt
schrecken Teile der Anwesenden zunächst auf, werden jedoch alsbald
von einer gebrechlichen Dame angezogen, die sich umständlich,
seufzend niederlässt. Die Frau entlockt dem abgenutzten grauen,
zentralen Systemkasten jedoch keine der existenziellen Wartemarken.
Die Wartemarke braucht man schließlich unter allen Umständen,
um sein Gefährt an- oder abzumelden. Bald darauf erhebt sich
eine junge Frau von ihrem Plastiksitz und reicht der Dame eine Marke
mit der Nummer 287. Ich zögere – Beifallsbekundung würde
hier unter Umständen unerwünschte Reaktionen zur Folge haben. |
Wegweiser
Auf drei Etagen vegetieren unterdessen Leidensgenossen vor sich hin.
Hinweisschilder hat die Behörde zwar massenhaft angebracht,
aber ohne verständliches System. "Wartebereiche 3, 4 und
5", "Stillegung für die Endziffern 5, 6, 7". Ein
aufgeschlossener, unterarmtätowierter Mann gibt unvermittelt
preis: „Wartebereich 4, der Typ heißt Hansen. Geben Sie sich als körperlich
behindert aus. Bei mir hat es prompt funktioniert, bin erst seit viertel
nach 9 hier“. Der Hansen hat ein Herz aus Gold, das versichere
ich ihnen: Er ist der Schwager meiner angeheirateten Tante: |
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| Gisela
Kleinschmidt mit dt; viel Glück.“Wenig später erfreut
sich vor allem der Wartebereich 4 ungeahnter Beliebtheit Gehbehinderter. |
Zulassungshumor
"Und das Chaos sprach zu Dir –
jeder Tag an dem Du nicht lächelst ist ein verlorener Tag."
Der 24-Nadel-Ausdruckspruch, seit den frühen 80ern in einer vormals
nikotinfreien Klarsichthülle an der Schalterscheibe gefangen
gehalten, wird innerhalb der letzten halben Stunde bedrohlich lesbarer.
Unerwartet spüre ich das dezente Zupfen eines Halbwüchsigen
an meinem linken Jackenärmel. Wortlos hält er mir eine Wartemarke
hin, auf der gut leserlich die Ziffern "205" auszumachen
sind. „Nein, danke entgegnete ich“ heuchlerisch freundlich,
wohlweißlich, das mich nur die grundsätzliche Abneigung
gegenüber Kinderarbeit zu einer solch, unüberlegten Reaktion
verleiten konnte. |
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